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Nichtreligiöse Interpretation von "Schöpfung"


Projektdauer:

01.07.14 bis 01.07.17

Kurzinhalt:

I.Bis zur Neuzeit lassen sich kosmologische Vorstellungen, aristotelische Philosophie, bibl. Schöpfungstheologie und alltägl. Erfahrung nahezu zwanglos vereinbaren. Erkennt. der neuzeitl. Naturwissenschaften führten Zug um Zug zur Entgrenzung unseres Weltbildes und zur Relativierung der Stellung des Menschen in der Welt. Zugleich damit büßte der Schöpfungsgedanke nachhaltig an Plausibilität ein. Während bis zur Neuzeit das jeweilige Weltwissen den Schöpfungsglauben illustrieren konnte, konterkariert seit der Neuzeit das moderne Weltwissen zunehmend diesen Schöpfungsglauben.

II. Trotz wechselnder Verteidigungsstrategien ist es christl. Theologie bis heute nicht gelungen, ein Verständnis unserer Welt als "Schöpfung Gottes" zu entwerfen, das sich angesichts der zunehmenden Bestreitung des Schöpfungsgedankens behaupten und zugleich als relevant für unser Wirklichkeitsverständnis und heutige Weltgestaltung erweisen konnte.

III. Die Relecture biblischer Schöpfungstexte unter Beachtung der jeweils vorliegenden sozialgeschichtlichen Umstände zeigt, dass biblische Rede von der Welt als Gottes Schöpfung nicht vor allem im Zusammenhang mit damaligen naturkundlichen Erkenntnissen zu verstehen ist, sondern im Kontext biblischer Prophetie und jesuanischer Reich-Gottes-Botschaft. Vor diesem Hintergrund wird Schöpfungstheologie zur gesellschaftskritischen politischen Theologie. Dabei geht es um die politische Relevanz biblischer Visionen, nicht um Kurzschlüsse Bibel-Politik. Utopische Vision bibl. Prophetie ist eine gerechte, menschen- und lebensfreundl. Welt. Im Diskurs zu ermitteln, was Kriterien für eine gerechte und menschliche Welt sein könnten und welche (unvermeidlich umstritenenen) Wege zu dieser Welt führen könnten, ist dann Aufgabe weitergehender sozialethischer Überlegungen.

IV. D. Bonhoeffer prognostizierte 1944, dass wir einer "völlig religionslosen Zeit" entgegengehen und forderte die "nichtreligiöse Interpretation biblischer Begriffe" (vgl. DBW 8, 401-408). Seither wurde in der Theologie ausführlich diskutiert, ob und ggf. inwiefern Bonhoeffers Prognose zutrifft. Es gibt darüber hinaus zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, wie das von Bonhoeffer in "Widerstand und Ergebung" nur angedeutete Programm einer nichtreligiösen Interpretation biblischer Begriffe genauer zu verstehen sei. Es wurde aber noch kaum je versucht, Bonhoeffers Programm "in der einen oder anderen Weise" tatsächlich durchzuführen. Im Ausgang von dem unter III. angedeuteten Schöpfungsverständnis wird im Rahmen des hier skizzierten Vorhabens an einem biblischen Schlüsselbegriff exemplarisch eine nichtreligiöse Interpretation vorgeführt.

V. Vor dem Hintergrund des Plausibilitätsverlustes christl. Schöpfungsglaubens (s. I.) wird das Thema "Schöpfung" von Theologiestudierenden und ReligionslehrerInnen als besonders problematisch empfunden. Diesbezüglicher Unterricht verirrt sich nicht selten in biblizistische und fundamentalistische Sackgassen oder ergeht sich im unfruchtbaren Austausch mit den Naturwissenschaften über kosmol. und biol. Evolution. Durch die Interpretation christlicher Schöpfungstheologie als polit. Theologie eröffnen sich neue Perspektiven und Kooperationsmöglichkeiten für die Religionspäd. und den Religionsunterr.. Dies betrifft insbes. das Aufgabenfeld ethischer Bildung angesichts globaler Krisen (nicht nur im Hinblick auf Nachhaltigkeit, sondern mehr noch im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit). Kooperationen legen sich dann auch nahe zwischen Theologie und einer Pädagogik, die gegenüber den Traditionen emanzipatorischer Pädagogik (z. B. im Anschluss an die Befreiungspäd. des brasilianischen P&

Projektbeteiligte:

Icon-UserProf. Dr. Benk, Andreas (Leitung)Profil

Verweis auf Webseiten:

Keine

Angehängte Dateien:

keine
Forschungsprojekt
abgeschlossen
Projekt-ID:193
Fak. 1 - Ökumenisches Institut für Theologie & Religionspädagogik • Katholische Theologie und Religionspädagogik
Erfasst von Benk, Andreas(Prof. Dr.) am 23.09.14
Zuletzt geändert von Peltzer, Nina am 15.02.23