Entwicklung der Kompetenzerwartung durch Lösen physikalischer Aufgaben einer multimedialen Lernumgebung
Projektdauer:
17.01.07 bis 10.11.14
Kurzinhalt:
Motivationalen Faktoren und insbesondere Kompetenzerwartungen kommen aus lernpsycholigischer Sicht eine besondere Bedeutung im Lernprozess zu (u.a. Bandura, 1995; Rheinberg & Fries, 1998). Der Grad ihrer Ausprägung beeinflusst die individuellen Entscheidungen der Lernenden zum Handeln und damit die Intensität der Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt in nicht routinemäßig ablaufenden Situationen, denn selbstgesteuert setzt man nur das um, was lohnenswert und machbar ist (Rheinberg, 2004, S.28).
Im Rahmen der vorliegenden Dissertation wurde untersucht, welchen Einfluss das Lösen von physikalischen, problemorientiert gestalteten Aufgaben in einer multimedialen Lernumgebung auf die Veränderung der physikspezifischen Kompetenzerwartung ausübt. Ein zentrales Anliegen war es zu klären, ob und in welcher Weise durch das wiederholte, selbständige Aufgabenlösen die Handlungsqualität sowie eine optimistische physikspezifische Kompetenzerwartung der Lernenden beeinflusst werden und welche Merkmale der Person und der Lernsituation unter diesem Blickwinkel besonders bedeutsam sind.
Zur Untersuchung wurde die computergestützt konzipierte Lernumgebung „denkwerkstatt-physik“ eingesetzt, die unter http://physik.ph-gmuend.de/denkwerkstatt-physik/ abrufbar ist.
Ergebnis:
Durch das Bearbeiten physikalischer, problemorientiert gestalteter Aufgaben in einer multimedialen Lernumgebung wird die physikspezifische Kompetenzerwartung der Lernenden beeinflusst. Die aus der Datenanalyse dieser Studie folgenden Ergebnisse legen nahe, dass der Aktualisierung der Erfolgszuversicht im Rahmen der Motivation eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Entwicklung der Kompetenzerwartung durch das Lösen physikalischer Aufgaben zukommt. Die Interessiertheit am Lösen der Aufgabe spielt dagegen eine eher untergeordnete Rolle für die Entwicklung von Kompetenzerwartung. Eine Pfadanalyse lässt darauf schließen, dass es bei Aufgaben, die eine besondere Herausforderung für die Lernenden darstellen, besonders empfehlenswert ist, den Lernenden solche individuell auswählbare Lernimpulse anzubieten, die nicht ausschließlich Fachwissen reaktivieren, sondern sich zusätzlich an heuristische Prinzipien orientieren. Dadurch kann per Mediation über Erfolgszuversicht eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Kompetenzerwartung begünstigt werden. Die internetbasierte Lernumgebung ‚denkwerkstatt-physik‘ stellt eine Möglichkeit dar, dem Lernenden adäquate Denkanstöße anzubieten. Insbesondere für Lernende mit
eher geringer physikspezifischer Kompetenzerwartung ist eine Förderung ihrer Entwicklung durch das Lösen der problemorientiert gestalteten Physikaufgaben zu erkennen. Daraus lassen sich methodische Konzepte einer individualisierten Förderung ableiten, die aber nicht explizit Gegenstand der vorliegenden Arbeit waren. Folgt man der Literatur, so würde das in der Folge dazu beitragen können, auch das Interesse am Physikunterricht zu vergrößern.
Es konnten außerdem geschlechtsspezifische Effekte auf den Grad der Ausprägung der Kompetenzerwartung fachbezogen repliziert werden. Jungen trauen sich in Physik mehr zu als Mädchen. Daran anknüpfend moderiert das Geschlecht der Lernenden gleichfalls die Veränderung physikspezifischer Kompetenzerwartung durch Lösen problemorientierter Aufgaben. Allerdings bleibt die Teststärke diesbezüglich gering. Berichtet werden außerdem Hinweise auf geschlechtsspezifische Effekte bezüglich der individuellen Auswahl der Lernimpulse beim Bearbeiten der Aufgaben.