Eine Darstellung der Klostermusik in Maihingen (Ries) gehört zu den Desideraten süddeutscher Musikforschung im Allgemeinen und zur franziskanischen Ordensforschung im Besonderen. Beschäftigt sich neuerdings insbesondere die osteuropäische Klostermusikforschung mit den Besonderheiten der Mendikantenorden, so sind Studien, die einen Vergleich ermöglichen, aus der oberdeutschen Minoritenprovinz kaum vorhanden. Innerhalb dieser spielte das Kloster Maihingen zwischen 1607 und 1802 eine wichtige Rolle als Ordenshochschule, die von jungen Klerikern aus dem süddeutschen und angrenzenden Schweizer Raum besucht wurde. In Verbindung mit den wechselnden Konventualen und durchreisenden Gästen kam es gelegentlich zum Kulturaustausch, der sich vor allem an der singulären Überlieferung von Notenhandschriften im Musikalienbestand von Maihingen zeigt. Um den bisher als solchen Angenommenen verifizieren und weitere Aussagen über die Musikpraxis im Konvent der Minderbrüder machen zu können, war es notwendig, die vier umfangreichen Klosterdiarien mit ihren 1915 unterschiedlich gut lesbaren Seiten auszuwerten, die sich im Fürstlich Oettingen-Wallersteinschen Archiv auf Schloss Harburg befinden.
Ergebnis:
Anhand der festgestellten Namen ist es nun möglich, einen klar umrissenen Notenbestand, der sich heute an der Universitätsbibliothek Augsburg befindet, als Maihinger Eigenbesitz zu identifizieren. In Verbindung mit den Tagebucheintragungen von 1661 bis 1812 lassen sich Einblicke in die liturgische und außerliturgische Musikpflege des Klosters gewinnen, dem zugleich als Grablege des musikliebenden Fürstenhauses Oettingen-Wallerstein eine eigene Rolle zukommt. Die Forschungsergebnisse sind aber auch deswegen von besonderer Bedeutung, weil der geradezu sensationelle Erhaltungszustand der unveränderten Baumeister-Orgel (1737) weltweit zunehmende Beachtung findet. Neu erschlossene Teile der zwei Jahrhunderte unbeachteten Musik wurden an und mit Begleitung dieser Orgel inzwischen am authentischen Ort wieder aufgeführt.
Studierende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd
Projektchor Bühler
Barockorchester Arsatius Consort (Leitung: Prof. Dr. Georg Brunner)
KMD Prof. Willibald Bezler an der Barockorgel